Vernetzung über alle Grenzen hinweg

Vernetzung über alle Grenzen hinweg
Evelyn Hriberšek (2. v. r.) erklärt das Konzept ihrer VR-Produktion "Eurydike" auf der Next Level-Konferenz in Düsseldorf. Mit auf dem Podium sitzen Alexander Kerlin vom Theater Dortmund, Moderator Max von Malotki (WDR) und Sebastian Quack vom Ensemble "Visible Playground". Foto: Annette Thoma

Digitalisierung ist in der Kunst angekommen: Visuelle Künstler, Musiker, Game-Designer oder Komponisten setzen sich immer verstärkter mit den Fragen und den Folgen der Digitalisierung auseinander. Annette Thoma hat sich drei Veranstaltungen in drei verschiedenen Bundesländern angesehen und ist dabei tief in die Szene eingetaucht.

Digitalisierung ist in aller Munde – auch im Kulturbereich ist der Einfluss der modernen Technik nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil: Bei Konferenzen und Tagungen auf der ganzen Welt werden verschiedene Aspekte der Digitalisierung diskutiert, denn es besteht kein Zweifel, dass elektronische Medien einen bedeutenden Einfluss auf die Entstehung, die Präsentation und die Vermittlung des Werks, aber auch auf das Rezeptionsverhalten der Zuhörer haben. Drei Veranstaltungen in Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe haben diese Thematik in jüngster Zeit aufgegriffen und damit ein internationales Publikum zusammengebracht.

 

Giga-Hertz-Preis in Karlsruhe

Bereits zum elften Mal wurde am 24.11.2018 der Giga-Hertz-Preis für elektronische Musik im ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) in Karlsruhe verliehen. Der Preis richtet sich gezielt an Klangkünstler und Komponisten elektronischer und elektroakustischer Musik sowie Mixed Music; im Fokus des Preises steht die Vernetzung zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft. Preisträger waren unter anderem bereits Pierre Boulez, Brian Eno, Laurie Anderson oder Curtis Roads – die Bandbreite und die Ausrichtung der ausgezeichneten Künstler ist groß.

Den diesjährigen Produktionspreis erhielt Óscar Escudero für seine Komposition „POV (Point of View)“ für Sopransaxofon und Fixed Media. Darin trägt der Musiker während der Aufführung eine Virtual Reality-Brille und agiert somit gleichzeitig als Quelle und Empfänger seiner Handlungen. Parallel dazu wird er von einem Projektor bespielt. Der Zuschauer wiederum wird Zeuge der Erweiterung des Raumes und des Werks. So treffen verschiedene Sichtweisen, eben diese „Points of Views“ aufeinander und lassen die doppelte Korrespondenz wahrnehmen.

Dieser Umgang mit VR ist zwar ein völlig anderer wie in unserem VR-Video – aber war auch für den Zuschauer ohne VR-Brille eine immersive Erfahrung. Ein weiterer Produktionspreis ging an das südkoreanische Künstler-Duo „Graycode, jiiiiin“. Martino Sarollli erhielt den Sonderpreis für „Künstliche Intelligenz“, David Bird eine lobende Erwähnung. Das amerikanische Netzwerkmusik-Ensemble „The Hub“ erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Giga-Hertz-Hauptpreis.

Die Preisträger und Laudatoren des Giga-Hertz-Preises 2018 neben dem Moderator Markus Brock (links). Foto: Annette Thoma

Der Giga-Hertz-Preis wird vom ZKM Karlsruhe und dem SWR Experimentalstudio getragen. Der Jury gehörten in diesem Jahr Ludger Brümmer (Leiter ZKM Hertz-Labor), Detlef Heusinger (künstlerischer Leiter des SWR Experimentalstudios), Björn Gottstein (SWR2 Redakteur für Neue Musik und künstlerischer Leiter der Donaueschinger Musiktage), Alexandra Cárdenas (Komponistin und Live-Coderin, Kolumbien) und Palle Dahlstedt (Komponist und Professor für „Art & Technology“ an der Aalborg Universität, Schweden) an.

 

Next Level – Festival for Games in Düsseldorf

Um Spielekultur, digitales Design und kulturelle Bildung ging es beim Next Level-Festival im NRW-Forum Düsseldorf. Innerhalb von drei Tagen erlebten die Besucher vielfältige Games zum Ausprobieren, Konzerte, Performances und ein ganztägiges Symposium zum Thema „Kunst und digitale Produktion“. Insbesondere dort tauschten sich in vier Panels zahlreiche Experten aus den verschiedensten Bereichen aus, um die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Kultur und deren Vermittlung zu debattieren. Referenten aus ganz Deutschland und dem Ausland reflektierten ihre Arbeiten und diskutierten mit dem Publikum über die Herausforderungen und Veränderungen einer neuen Kulturvermittlung.

User Interface einmal anders: Dieses Spiel auf dem Next Level-Festival lässt sich nur über Sound und Geräusche steuern. Foto: Annette Thoma

In den Ausstellungsräumen des Festivals tauchten die Besucher in zahlreiche Game-Genres ein und wurden durch entsprechende Technik selbst Teil der Spiele und Installationen: Über Leap Motion stellten Besucher ihre Geschicklichkeit unter Beweis oder steuerten über ein touch-sensibles Interface durch einen flächendeckenden Laserscan des Geländes. Ein Highlight war die raumfüllende Installation von Warped Type, die über eine Kinect bespielt wurde: Klang und Licht des gesamtes Raumes wurden lediglich mit Gesten gesteuert.

Die Klang-Sound-Installation von Warped Type im NRW-Forum Düsseldorf. Foto: Annette Thoma

 

EVA Konferenz Berlin

Auf der diesjährigen EVA Konferenz im Kulturforum der Staatlichen Museen zu Berlin ging es nicht nur um Input – Annette und Julien von der HTW haben in einer gemeinsamen Präsentation das „Apollo“-Projekt vorgestellt und über die App „Konzerthaus Plus“ und die digitale Ausstellung berichtet.
Die EVA-Konferenzreihe berichtet jährlich an wechselnden Standorten über innovative Digitalisierungsprojekte im kulturellen Kontext und vereint damit internationale Referenten aus den unterschiedlichsten Bereichen. Der Schwerpunkt in diesem Jahr lag auf dem „Digitalen Zwilling“, dessen virtuelle Repräsentanz die Praxis des Kuratierens, der wissenschaftlichen Dokumentation und der Vermittlung zunehmend verändert.

Wer sich das Paper unseres Vortrages anschauen möchte, dem sei der Link zum aktuellen Konferenzband ans Herz gelegt. Ab Seite 84 findet Ihr unseren Beitrag.

340 Seiten stark: Der aktuelle Konferenzband der EVA Berlin 2018. Foto: Annette Thoma

Allein diese drei Veranstaltungen im November zeigen deutlich, dass sich das Spannungsfeld zwischen Kultur und Vermittlung zunehmend zu einem positiven entwickelt. Aus neuen Perspektiven und neuen Technologien entstehen unendlich viele, neue Möglichkeiten. Nicht nur Künstler und Musiker, sondern auch große und kleine Kulturinstitutionen greifen das immer mehr als Chance für sich auf und immer weniger als Hürde. 2018 neigt sich dem Ende entgegen, aber das nächste Jahr wird ohne Zweifel weiteren spannenden und konstruktiven Input für uns alle bereithalten.

Annette Thoma
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