Tonaufnahmen für „The Secret Garden“

Tonaufnahmen für „The Secret Garden“
Der Komponist Mark Barden während der Tonaufzeichnung im Konzerthaus Berlin.Foto: Markus Werner

Gemeinsam mit dem Konzerthausorchester Berlin hat Mark Barden sein Werk für die "Interaktive Komposition" aufgenommen. Die Tonaufzeichnungen waren allerdings alles andere als gewöhnlich: Neben den klassischen Instrumenten und deren traditioneller Spieltechnik kamen auch elektrische Zahnbürsten, Eierschalen oder Linsen zum Einsatz.

Ein Spachtel? Daneben Papierfetzen, ein Waldteufel und ein Block Styropor? Die Musiker*innen des Konzerthausorchesters Berlin haben schon einiges erlebt, aber die Tonaufnahmen mit Mark Barden stehen sicherlich recht weit oben auf ihrer Liste, wenn es um die experimentellsten Aufnahme-Sessions geht.
An drei Tagen wurden im Großen Saal und im Werner-Otto-Saal des Konzerthaus Berlin die Tonaufnahmen für unsere interaktive Komposition in Virtual Reality aufgezeichnet. Und von vornherein war klar: Das werden ungewöhnliche Aufnahmen.

Seit dem Startschuss des Projekts hat sich bereits einiges getan. Mark Barden, Julian Bonequi, der visuelle Künstler des Projekts, und die Entwickler*innen der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin haben sich mehrmals getroffen und ausgetauscht, um das Konzept auszuarbeiten und zu verfeinern. Aus dem Arbeitstitel der „Interaktiven Komposition“ ist nun „The Secret Garden“ geworden. Visuell wird sich der geheime Garten an der Bildwelt des Zoologen Ernst Haeckel orientieren. Aber was sich genau dahinter verbirgt, wird noch nicht verraten.

Phantastische Gewächse: Mark Barden zeigt dem Konzerthausorchester Berlin zu Beginn Zeichnungen von Ernst Haeckel. Foto: Markus Werner

Tag 1: Styropor statt Saiten

Der Komponist Mark Barden hat bei den Aufnahmen großen Wert darauf gelegt, Klänge und Geräusche in ihre Grundstruktur aufzulösen. Mit traditionellen Spieltechniken kommt man bei klassischen Instrumenten schnell an deren klangliche Grenzen – Mark Barden setzte deshalb verschiedenste „Hilfsmittel“ und Methoden ein, um ungewohnte und verfremdete Klänge aus Geigen, Celli, Flöten oder Trompeten zu holen. Je ungewöhnlicher die Techniken und das Zubehör, desto überraschender die atmosphärischen Klänge: Führen die Streicher*innen zum Bespiel ihren Bogen über einen Spachtel, kommen Klänge zum Vorschein, die man einem solchen Werkzeug kaum zuordnen würde.

Tag 2: Fremde Klänge auf Metall

Am zweiten Tag standen die Schlagzeug-Aufnahmen im Mittelpunkt. Solo-Paukist Michael Oberaigner, Solo-Schlagzeuger Jan Westermann und Schlagzeuger Edwin Kaliga standen nicht nur zwischen klassischen Instrumenten wie Vibraphon, Marimba, Pauke oder Tamtam – auch Metallfässer, Wäscheständer und Wasserbecken befanden sich auf der Bühne. Doch anstatt mit Schlägeln spielten die Musiker die Instrumente mit Gabeln, Latex-Handschuhen, elektrischen Zahnbürsten, Superballs oder Hämmern, um die gewünschten Klänge zu erzeugen.

Tag 3: Zwischen Hauchen und Kratzen

Der dritte Aufnahmetag stand ganz im Zeichen der Solo-Aufnahmen. Mitglieder des Konzerthausorchesters Berlin wurden einzeln aufgenommen, um noch tiefergehend mit den Klangeigenschaften der einzelnen Instrumente zu arbeiten. Und auch hier kamen experimentelle Techniken zur Klangerzeugung zum Einsatz: Alufolie über den Becher der Oboe, eingespannte CDs oder Klebemasse auf dem Griffbrett eines Cellos oder ein gestrichener Bogen auf dem Kranz einer Tuba. Einfach mal über die Klappen einer Klarinette zu hauchen gehörte ebenso dazu wie in eine Posaune zu singen. Mark Barden hatte für jede*n Musiker*in verschiedene Techniken und Herangehensweisen, um ein breites Spektrum an sphärischen, kratzenden oder körperlosen Klängen zu erzeugen.

Der visuelle Künstler des Projekts, Julian Bonequi, ist für die Tonaufzeichnungen von Mexico City nach Berlin gereist. Ihm war es sehr wichtig, dass die Komposition von Mark Barden und seine Gestaltung des virtuellen Gartens eine gemeinsame Sprache finden. Beide Künstler wollen sowohl die auditive, als auch die visuelle Ebene in Einklang bringen und aufeinander abstimmen, um den User*innen ein immersives Erlebnis in VR garantieren zu können. Aus diesem Grund wird Julian Bonequi für mehrere Monate in Berlin bleiben, um gemeinsam mit den Entwickler*innen der HTW Berlin an der Gestaltung des virtuellen Gartens zu arbeiten.

Der visuelle Künstler Julian Bonequi während der Tonaufzeichnung im Werner-Otto-Saal. Foto: Markus Werner

Übrigens: Ein Update, wie es mit dem Projekt weitergeht, findet Ihr hier auf dem Konzerthaus Blog.

Mit freundlicher Unterstützung durch „experimente#digital“ – eine Kulturinitiative der Aventis Foundation.

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Annette Thoma
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